Etwas abseits der großen Touristenströme, aber direkt am Puls von Pankow, liegt das Schloss Schönhausen mit seinem uralten Park. Zwei Namen verbinden sich besonders eng mit der Geschichte des Schlosses: Wilhelm Pieck, Präsident der DDR, der hier bis 1960 seinen Amtssitz hatte, und Königin Elisabeth Christine von Preußen, die zeitlebens im Schatten ihres berühmten Ehemannes gestanden hat – Friedrichs des Großen. Die Geschichte des Schlosses spannt aber einen noch viel weiteren Bogen, von den Anfängen Preußens über die deutsche Wiedervereinigung bis in unsere Zeit.

 

Petit Palais

1662 erwirbt Gräfin Sophie Theodore zu Dohna die Rittergüter Pankow und Niederschönhausen, wo sie nach Entwürfen ihres Mannes, des kurfürstlichen Generalfeldzeugmeisters Graf Christian Albrecht zu Dohna, ein Herrenhaus errichten lässt, mit frühbarockem Lustgarten und Meierei. Von diesen Anlagen ist leider nichts mehr erhalten. 

 

Sommerschlösschen

1680 kauft der Generalkriegskommissar Joachim Ernst von Grumbkow das Anwesen den Söhnen der Witwe Dohna ab. Die Vorgängerbauten lässt er abtragen und stattdessen eine kleine, dreigeschossige Dreiflügelanlage errichten. Sie bildet den Kern des heutigen Schlosses. Der barocke Garten in seiner jetzigen Ausdehnung entsteht, vermutlich auch bereits die Orangerie. Zum Güterkomplex gehören auch Pankow und Blankenfelde.

 

Kurfürstlicher Landsitz

1691 erwirbt Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg den Grumbkowschen Besitz und beginnt seinerseits mit dem weiteren Ausbau. Das Schloss erfährt verschiedene Umgestaltungen. 1699 bis 1700 finden hier die Geheimverhandlungen über die preußische Königswürde statt. Der Schlossgarten wird zu einem modernen Barockgarten erweitert. Die Schönhauser Allee wird angepflanzt.

 

Königliche Residenz

Gleich nach seiner Thronbesteigung 1740 weist König Friedrich II. seiner wenig geliebten jungen Ehefrau Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern das kleine Schloss für den Sommeraufenthalt zu. Im Lauf derJahre lässt es die Königin durch den Architekten Jan Boumann d.Ä. erweitern und umgestalten. Durch sie wird Schönhausen zu einem Meisterwerk des späten Rokoko. Elisabeth Christine bewohnt das Schloss bis zu ihrem Tod 1797.

 

Sommerschloss der Königsfamilie

Über 50 Jahre hinweg, vom Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts dient das Schloss einzelnen Frauen der preußischen Königsfamilie als Sommersitz, darunter Prinzessin Friederike von Preußen, Wilhelmine von Oranien und Auguste Fürstin von Liegnitz, zweite Ehefrau Friedrich Wilhelms III. Danach bleibt Schönhausen lange ungenutzt. Das Schloss verfällt, der Garten verwildert.

 

Schlossmuseum

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts verliert das Schloss weiter an Bedeutung. Nach dem Ende der preußischen Monarchie und weiteren Jahren des Leerstands wird das Schloss 1935 zu einem Ausstellungshaus umgebaut. In der Zedernholzgalerie entsteht ein Café. Der Künstlerbund Norden veranstaltet zwischen 1931 und 1942 zahlreiche kleinere und größere Ausstellungen.

 

Verkaufslager

Von 1938 bis 1941 werden die Räume des Schlosses als zentrales Lager für die „Entartete Kunst“ genutzt. Viele der von den Nationalsozialisten aus den öffentlichen Sammlungen des Reiches entfernten Kunstwerke werden hier untergestellt, um ihren Verkauf ins Ausland vorzubereiten. In diesem einzigartigen Kunstdepot waren zeitweise so viele Meisterwerke der Moderne zusammengetragen wie sonst nie in einem Museum oder einer Ausstellung. Was keinen Käufer findet, dem droht die Vernichtung. Die beauftragten Kunsthändler verkaufen unter Zeitdruck, insgeheim auch an deutsche Sammler.

 

Amtssitz des Präsidenten

1949 wird das Schloss Amtsitz von Wilhelm Pieck, dem ersten und einzigen Präsidenten der DDR, was erhebliche Veränderungen im Innenausbau nach sich zieht. Ein innerer Gartenbereich wird durch eine Mauer vom äußeren Schlosspark abgetrennt. Auf dem südlichen Teil des Geländes entsteht die neue Präsidialkanzlei. Am Majakowskiring siedeln sich Regierungsmitglieder und später andere hochrangige DDR-Funktionäre an.

 

Gästehaus der Regierung

Ab 1964 erfolgen Umbau und Neueinrichtung zum Gästehaus der DDR. Zu den Gästen, die im Laufe der Jahre im Schloss Schönhausen begrüßt werden, zählen Fidel Castro, Indira Gandhi und Michail Gorbatschow. Am westlichen Eingang entsteht 1965 ein mehrgeschossiges, betont nüchternes Appartementhaus als Erweiterungsbau. Teile des Gartens werden modernisiert.

 

Symbol der Einheit

Als Hohenzollern-Schloss mit zunächst geringer Symbolkraft hat Schönhausen nach dem Krieg eine tiefgreifende Neubewertung erfahren. Durch die Nutzung als Amtssitz und die Ansiedlung vieler DDR-Funktionäre im nahegelegenen „Städtchen“ wurde das Schloss Zentrum staatlicher Repräsentation. In der Präsidialkanzlei fanden 1990 die Berliner 2+4-Gespräche zur Vorbereitung der deutschen Wiedervereinigung statt.

 

Museum

Seit seinen Anfängen im 17. Jahrhundert ist Schloss Schönhausen mehrfach erweitert und immer wieder umgebaut, aber nie grundlegend zerstört worden. Sämtliche Nutzungsphasen haben am Rokoko-Schloss ihre Spuren hinterlassen und sind nun, nach der äußerst behutsamen Sanierung, wieder sichtbar. Mit dem Rundgang durch die Ausstellungsräume des Museums erlebt der Besucher die einzigartige Geschichte des Schlosses wie eine Zeitreise durch die Jahrhunderte. Darüber hinaus wurde das Schloss zur neuen Heimat für das im Krieg heimatlos gewordene Erbe der einstigen Besitzer Schönhausens, der Grafen zu Dohna. In mehreren Räumen werden die schönsten Stücke aus dem einstigen Inventar des Schlosses Schlobitten präsentiert.

 

 

J.D. Schleuen, Prospect des Königl. Lust Schlosses zu Schönhausen, vor 1764

 

 

 

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